Die Jahreskonferenz für innovative Entscheider

Inside PM-Tage | Business Coach Kirsten Lamprechter im Interview

Die Bedeutung von Resilienz in stürmischen Zeiten

Derzeit ist der Begriff „Resilienz“ in aller Munde. „Und das völlig zu Recht,“ meint Kirsten Lamprechter, Business Coach, Expert Trainer & Professional Consultant. „Denn Resilienz ist wichtig, um die aktuellen, aber auch zukünftige Herausforderungen zu meistern.“ Was es heißt, resilient zu sein, und welche Bedeutung diese Fähigkeit für die Zukunft des Projektmanagements hat, darüber spricht Kirsten Lamprechter im Interview. Auf den PM-Tagen 2021 wird sie auch einen interaktiven Experten-Exchange zum Thema moderieren.

Gerade in den aktuellen Krisenzeiten ist immer wieder die Rede von „Resilienz“ – im beruflichen wie im privaten Umfeld. Was genau ist darunter zu verstehen?

Resilienz ist die Fähigkeit, Unsicherheiten, Ängste, Krisen und Konflikte zu bewältigen und diese gleichzeitig als Chance für die persönliche Entwicklung zu nutzen. Resilienz ist also eine Beschreibung für die Widerstandskraft der eigenen Seele. Dabei gilt: Je stärker diese Kompetenz ausgeprägt ist, desto leichter ist es für einen selbst, auch nach Misserfolgen nicht den Mut zu verlieren und einfach weiterzumachen. Die eigene Resilienz hilft einem dabei, sich von Krisensituationen nicht unterkriegen zu lassen, sondern sogar gestärkt daraus hervorzugehen. Resilient zu sein ist daher von essenzieller Bedeutung – gerade in solch` stürmischen Zeiten wie diesen.

Du vergleichst Resilienz auch gern mit einem Bambus. Kannst Du das bitte näher erklären?

Das Schöne an Resilienz ist, dass man sie auf- und auch weiter ausbauen kann. Sie kann wachsen – wenn man einerseits flexibel und andererseits stark bleibt, ähnlich wie ein Bambus. Flexibilität ist wichtig, wenn sich immer wieder neue Veränderungen oder Krisen auftun. Daneben braucht es Stärke, um bei sich zu bleiben (also nicht außer sich zu geraten) und die richtigen Schlüsse aus der jeweiligen Situation zu ziehen. So kann man selbst daran wachsen – und mit einem die eigene Resilienz.

Dieses Bild passt auch zu den acht Säulen der Resilienz, die Wissenschaftler im Laufe der Zeit identifiziert und entwickelt haben.

Ja, genau, der Bambus besteht - um in diesem Bild zu bleiben - aus zugleich stabilen wie agilen Säulen. Und genau diese beiden Qualitäten (Stabilität und Agilität) gilt es bei der eigenen Resilienz auf- und auszubauen. Dabei kann man eben genau an diesen acht Säulen arbeiten: 1. Akzeptanz & Realitätsbezug, 2. Selbstverantwortung, 3. Lösungsorientierung & Kreativität, 4. Optimismus sowie die positive Selbst- und Fremdeinschätzung, 5. Zukunftsgestaltung & Visionsentwicklung, 6. Selbstfürsorge, 7. Beziehungen, Wertschöpfung & Kooperation und 8. Improvisationsvermögen & Lernbereitschaft. Wer Details zu den einzelnen Säulen erfahren möchte, dem lege ich gern meine Blogserie zur Resilienz ans Herz. Auch im entsprechenden Webinar gehe ich näher darauf ein. Fest steht: Die Themenbereiche der einzelnen Säulen sind eng miteinander verbunden: So tun wir beispielsweise gleichzeitig etwas für uns selbst (= Selbstfürsorge), wenn wir etwa unseren Optimismus stärken. Ob man nun gezielt an einer Säule arbeiten möchte oder gleich mehrere in Angriff nimmt, das bleibt einem selbst überlassen. Wichtig ist nur, einfach anzufangen – ganz nach dem Motto „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“.

Dass Soft Skills – neben den Hard Skills – eine wichtige Rolle für einen erfolgreichen Berufsalltag spielen, ist weitgehend anerkannt. Doch wieso ist gerade Resilienz so wichtig, vor allem bei einem Blick auf das Projektmanagement der Zukunft?

Führungskräfte und Mitarbeiter benötigen eine neue Form der Widerstandskraft, damit sie mit aktuellen und zukünftigen Herausforderungen und Krisen besser umgehen können. Denn Projekte sind heute dynamischer denn je. Die Arbeitswelt wird immer weiter transformiert, Parameter wie Kundenanforderungen oder Rahmenbedingungen ändern sich ständig. All das beeinflusst die Arbeitswelt von heute, weshalb Ergebnisse und Lösungen oft hinterfragt und auch wieder verworfen werden müssen. Um hier beispielsweise keine Demotivation aufkommen zu lassen, ist Resilienz vonnöten – bei den Führungskräften und bei den Mitarbeitern. Denn so kann positiv und zielgerichtet kommuniziert werden, um verantwortungsvolle und vorausschauende Entscheidungen zu treffen, ohne sich von neuen Entwicklungen überrollen zu lassen. Größer gedacht bedeutet die Stärkung der Resilienz im Unternehmen, dass flexibel auf die Veränderungen im Markt- und Kundenumfeld reagiert werden kann. Damit vermittelt das Unternehmen seinen Kunden Sicherheit und Zuverlässigkeit und positioniert sich als langfristiger Partner.

Inwiefern wirst Du diese Erkenntnisse in Deinem Experten-Exchange auf den PM-Tagen 2021 vertiefen? Also was erwartet die Teilnehmer?

Im Workshop möchte ich gemeinsam mit den Teilnehmern herausarbeiten, wie sich Resilienz äußert und wie jeder diese Fähigkeit (weiter)entwickeln kann. Besonders in Zeiten der Transformation gehört es zum A und O der Berufs- und Projektwelt, resilient mit den Aufgabenstellungen der Zukunft umgehen zu können. Daher bin ich schon sehr gespannt, welche Erfahrungen die Teilnehmer hierzu bereits gemacht haben. Einen solchen Austausch empfinde ich immer als sehr inspirierend. Ich freue mich schon sehr darauf! Mir ist es wichtig, jeden einzelnen Teilnehmer genau dort abzuholen, wo er in Bezug auf seine persönliche Resilienz steht und gemeinsam den für ihn passenden nächsten Entwicklungsschritt zu finden.

 

Kurzbiografie:

Als Betriebswirtin, internationale Projektleiterin und leidenschaftlicher geprüfter Business Coach BDVT verfügt Kirsten Lamprechter über mehr als 30 Jahre Berufserfahrung in den unterschiedlichsten Unternehmen und Branchen. Sie ist vielfältig ehrenamtlich engagiert und aufgrund persönlicher Erfahrungen resilienzerprobt. Seit 2013 ist sie Teil der Tiba-Familie. Neben ihrer Rolle als Expert Trainer & Professional Consultant hat sie 2020 die Position der Operation Managerin der Tiba Coaching übernommen.