Die Jahreskonferenz für innovative Entscheider

Inside PM-Tage | Caroline Tenhonsel-Neuß & Simon Chaudhuri im Beitrag

Die digitale Projektwelt von thyssenkrupp

Bei thyssenkrupp gilt Projektmanagement als Kernkompetenz, um die digitale Transformation erfolgreich zu meistern. 2017 wurde hierfür eigens eine strategische Initiative gegründet: „thyssenkrupp Digital Projects“ (tkDP). Sie hat das Ziel, konzernweit IT-PM-Kompetenzen aufzubauen und gleichzeitig externe Kosten zu senken. „Die beste Strategie ist nichts wert, wenn man sie nicht erfolgreich umsetzen kann,“ so Caroline Tenhonsel-Neuß und Simon Chaudhuri. Im Interview geben die beiden PM-Experten einen exklusiven Einblick in die digitale Projektwelt von thyssenkrupp und berichten von wertvollen Best Practices und Lessons Learned.

„Projektmanagement ist Relationship Management“ – So lautet Ihr Erfolgsrezept für die Zukunft des Projektmanagements. Was genau verstehen Sie darunter und wie setzen Sie das bei thyssenkrupp in die Tat um?

Unserer Erfahrung nach geht es im Projektmanagement vorrangig um Menschen. Ob Stakeholder, Projektmitarbeiter oder Außenstehende, die vom Projektergebnis betroffen sind: Der Projekterfolg hängt stark von deren Partizipation und Motivation ab – zwei Aspekte, welche wiederum durch den Projektleiter gesteuert und beeinflusst werden. Daher legen wir bei unserer Personalentwicklung neben dem Projekthandwerk (Methodik und Tools) ein besonderes Augenmerk auf die „Soft Skills“.

Wie kann man sich die konzernweite Initiative "thyssenkrupp Digital Projects" in der Praxis vorstellen?

Digital Projects besteht aus 25 motivierten und engagierten IT-Projektmanagern, die in der gesamten Gruppe die Umsetzung der digitalen Strategie vorantreiben. Wir verstehen uns als objektiver Partner unserer Kunden und unterstützen sie bei komplexen IT- und Transformationsprojekten. Dabei sorgen wir zum einen dafür, dass das Knowhow im Unternehmen bleibt und tragen zum anderen zu Kosteneinsparungen in Bezug auf den Einsatz von externen Beratern bei.

Welche Herausforderungen stehen hierbei auf der Tagesordnung? Und was sind Ihre Lessons Learned daraus?

Unsere größte Herausforderung ist die derzeitige Lage im Konzern. Natürlich gehen die Restrukturierungsmaßnahmen unserer Auftraggeber nicht spurlos an uns vorbei. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Auch das Thema Relationship Management ist uns dabei sehr wichtig: Wir bleiben im intensiven Dialog mit unseren Partnern und suchen nach Möglichkeiten, sie in dieser schwierigen Phase als objektiver Sparringspartner mit PM-Ressourcen oder einfach durch ein offenes Ohr zu unterstützen. Da sich durch die Umstrukturierung zudem unser Kundenportfolio verändert, versuchen auch wir etwas Neues, um innerhalb des Konzerns auf uns aufmerksam zu machen – wie beispielsweise mit der Teilnahme an einer internen Messe zu neuen Arbeitsweisen im Unternehmen. 

Gibt es in der Projektarbeit Besonderheiten für einen Industriekonzern Ihrer Größenordnung?

thyssenkrupp ist ein sehr traditioneller Konzern mit einer langen Historie. Viele Unternehmen mit unterschiedlichen Anforderungen arbeiten unter der Marke thyssenkrupp zusammen. Das bedeutet, dass Projektmanagement auch innerhalb des Konzerns sehr unterschiedlich gelebt und verstanden wird. Wir müssen uns daher immer wieder auf neue Situationen und Gegebenheiten einstellen und unsere Projektmanagement-Ansätze entsprechend adaptieren. Unsere umfangreiche Praxiserfahrung sowie unser Anwendungs-Mix aus klassischen und agilen Methoden befähigen uns dazu. Die Herausforderungen, die wir sehen, gehen wir als Start-Up im Großkonzern gern und voller Elan an. So können wir auch eine Vorreiterrolle übernehmen.

Was würden Sie anderen Firmen mit an die Hand geben, die vor ähnlichen Projekten stehen? Und inwieweit vertiefen Sie diese Best Practice Tipps in Ihrem Vortrag auf den PM-Tagen 2020?

Bei den PM-Tagen in den letzten Jahren wurden wir immer wieder von anderen Teilnehmern gefragt, wie wir es geschafft haben, in kürzester Zeit IT-Projektmanagementkompetenz in einem Großkonzern aufzubauen und zu etablieren. Dafür haben wir uns bewusst anders positioniert und sind neue Wege gegangen, zum Beispiel im Recruiting und in der Personalentwicklung. Unser positives Kundenfeedback und die durchgehend hohe Auslastung unserer Mitarbeiter zeigt uns, dass wir den richtigen Ansatz gewählt haben. Wir hoffen, mit unserem Vortrag Impulse zu setzen, sodass auch andere unserem Modell folgen und erfolgreiche Projektorganisationen in ihren jeweiligen Unternehmen etablieren können.

 

Kurzbiografie:

Caroline Tenhonsel-Neuß ist seit 2007 in verschiedenen leitenden Positionen innerhalb des thyssenkrupp Konzerns tätig und hat im Zuge dessen eine Vielzahl an Projekten durchgeführt. Die Einheit Digital Projects hat sie mit aufgebaut und verantwortet diese seit Anfang 2017. Simon Chaudhuri verfügt über 18 Jahre Erfahrung im internationalen Projektgeschäft und ist seit September 2018 als IT Project Director Digital Projects bei thyssenkrupp in Essen tätig. Zuvor arbeitete er in leitenden Positionen bei der Citibank sowie im Vodafone Konzern.